(*1959)

Geboren und aufgewachsen in Croydon, South-London, als einziges Kind einer Lohnbuchhalterin und eines Blechschlossers, studierte Martyn Bedford Journalistik und arbeitete dann fünfzehn Jahre als Reporter für kleinere Zeitungen. Zwischen den Jobs bereiste er die Welt, arbeitete kurze Zeit als Englischlehrer in Hongkong und schrieb Stories für Anthologien und (unveröffentlicht gebliebene) Romane. Anfang der 90er-Jahre studierte er Creative Writing an der University of East Anglia in Norwich, Grafschaft Norfolk. 1996 erschien sein erster Roman ‚Der Zeichner‘.

Bedford lebt mit seiner Frau Damaris in Ilkley, West Yorkshire, und hat zwei Töchter, Josie und Polly. Neben seiner Schriftstellerei – er verfasste bis 2006 fünf Bücher für Erwachsene, ehe er sich der Jugendliteratur zuwandte – unterrichtet er Creative Writing an der Leeds Trinity University.

In seinem Romanerstling ‚Der Zeichner‘ entwirft Bedford das Porträt einer gequälten Seele: „Mein Name ist Gregory Lynch. Ich bin 35 Jahre alt, Waise, Junggeselle, mit viereinhalb Jahren Einzelkind. Ich habe ein braunes und ein grünes Auge.“ – dies sind die gebetsmühlenartig geäussersten Sätze des labilen, eigenbrötlerischen Ich-Erzählers. Nach dem Tod seiner Mutter stösst Gregory Lynch im Estrich auf seine alten Schulzeugnisse – und beschliesst, sein verpfuschtes Leben zu „korrigieren“. Er besitzt nur ein einziges Talent: das Zeichnen. Und so bringt er seine Rachefantasien in Form von Cartoons zu Papier, um sie dann (vielleicht) Realität werden zu lassen.

Gregorys Hass richtet sich gegen seine Lehrer, die ihn seinerzeit von der Schule verwiesen haben, und die er nun für sein globales Scheitern verantwortlich macht – in jedem der sieben Kapitel des Romans geht es einem seiner Ausbilder an den Kragen. Dabei springt der Autor (bzw. Gregory) ständig zwischen vier Zeitebenen hin und her: Dem Aufwachsen in bescheidenen Verhältnissen an der Seite der heiss geliebten, zweieinhalb Jahre älteren (mit sieben an Hirnhautentzündung verstorbenen) Schwester Janice, der als peinvoll erlebten Schulzeit im Süden Londons, den zwanzig Jahre später, nach längerer Arbeitslosigkeit, durchgeführten Strafaktionen, die er als Korrekturmassnahmen bezeichnet (‚Acts of Revision‘ lautet denn auch der Originaltitel des Romans), und der Gegenwart, die sich während der Zeit der Untersuchungshaft abspielt und fast nur aus fruchtlosen Gesprächen mit seinem Anwalt besteht.                                                                ‚Der Zeichner‘: Eine kunstvoll komponierte, in einer schlichten (dem Gemüt des Erzählers angepassten) Sprache, ganz ohne Effekthascherei erzählte Tragikomödie mit einem unvergesslichen Protagonisten.

‚Houdini Girl‘ ist die Geschichte des knapp 30-jährigen Magiers Fletcher Brandon, genannt „Red“, der in Oxford lebt und unter dem Künstlernamen „Peter Prestige“ sein Publikum in ganz England verzaubert. Reds Leben gerät aus den Fugen, als er sich in einer Kneipe unsterblich in die extravagante, etwas verrückte Rosa verliebt, die am nächsten Tag bei ihm einzieht. Ein Jahr später muss er Rosas Leiche identifizieren – sie ist von einem Zug überfahren worden: Unfall, Selbstmord oder Mord? Der untröstliche Red begibt sich auf Spurensuche, wird in seinem Haus überfallen, landet schliesslich in Amsterdam – und entdeckt, dass es fünf Jahre in Rosas Leben gibt, über die kein Mensch etwas zu wissen scheint.

Bibliografie:
‚Acts of Revision‘ – ‚Der Zeichner‘ (1996), ‚Exit, Orange & Red‘ (1997), ‚The Houdini Girl‘ – ‚Houdini Girl‘ (1999), ‚Black Cat‘ (2000), ‚The Island of Lost Souls‘ (2006).

Erstellt: Januar 2014