(Kürzel für Jozef Adriaan Anna Geeraerts, 1930-2015)

Jef Geeraerts wurde als Spross einer gutbürgerlichen Familie in der flandrischen Stadt Antwerpen geboren und besuchte dort das französischsprachige Jesuitengymnasium ‚Onze Lieve Vrouwecollege‘. Nach dem Studium der Politik- und Verwaltungswissenschaften an der Kolonial-Hochschule in Antwerpen und dem Militärdienst als Fallschirmjäger in Deutschland war er während sechs Jahren stellvertretender Verwalter im Äquatorbezirk Buma von Belgisch-Kongo. 1954 heiratete er Josée Swaelen und hatte mit ihr drei Kinder, die in Belgisch-Kongo zur Welt kamen. Im Jahr 1960, als das Land am 30. Juni seine Unabhängigkeit erlangte, wurde er bei Unruhen schwer verwundet und kehrte daraufhin nach Belgien zurück.

In seinem engen und kühlen Heimatland fand sich Geeraerts lange Zeit nur schwer zurecht, er sehnte sich nach Afrika, fand keine Arbeit und trennte sich von seiner Familie. 1962 schrieb er sich in der Freien Universität Brüssel ein, um Deutsche Sprache zu studieren, und begann nebenbei zu schreiben. Sein Brot verdiente er sich als Zeitungsredakteur und Übersetzer. 1968 gelang ihm der literarische Durchbruch mit ‚Black Venus‘, dem ersten Band der so genannten Gangrän-Reihe, die sich mit seinem ausschweifenden Leben in Belgisch-Kongo auseinandersetzt und in Belgien einen Skandal auslöste – das Buch wurde wegen „Pornografie und Rassismus“ von einem Staatsanwalt beschlagnahmt und auf den Index gesetzt.

Jef Geeraert war einer der bedeutendster Krimiautoren Belgiens, aber auch einer der schärfsten Kritiker des Landes bzw. dessen Regierung, der er vorwarf, dass sie sich mit korrupten Politikern arrangieren und Skandale mit allen, auch illegalen Mitteln totschweigen würde. Sein Werk enthält zahlreiche Romane (vorwiegend Krimis), Erzählungen, Reisereportagen, Hörspiele und Theaterstücke. Er lebte mit seiner zweiten Frau, der Modeschöpferin Eleonore Vigenon, in der Nähe von Gent, wo er 85-jährig starb.

Geeraerts‘ 1980 erschienener Krimi ‚Die Coltmorde‘, eine Mischung aus Polit- und Polizeiroman mit detailversessenen Schilderungen der Ermittlungen, ist in der Zukunft, im Jahr 1990, angesiedelt. Belgien untersteht einem totalitären Regime, die Rijkswacht ist mit dem BKA, dem FBI und Interpol vernetzt, und über die Bürger werden umfassende Fichen angelegt. Im Mittelpunkt steht der aufstrebende 36-jährige Kapitein-Commandant Willy Velge, der dem Rijkswacht-Distrikt Gent vorsteht. Der verheiratete Vater eines Sohnes ist ein überaus eitler, von einem unberechenbaren Sexualtrieb gequälter Superbulle, der die Frauen hasst und sie sich deshalb unterwirft. Jetzt leitet er die Fahndung in drei scheusslichen offenbar miteinander zusammenhängenden Mordfällen – eine promiskuitive Witwe, ein pensionierter Rijkswachtgeneral und ein schwuler Grundschullehrer sind die Opfer, und der Sohn des Generals scheint in die Verbrechen verwickelt zu sein. Als die düsteren Geheimnisse der Generalsfamilie ans Licht zu kommen drohen, greift die Rijkswacht mit gnadenloser Härte durch – das Leben derer, die die Wahrheit ahnen, hängt jetzt an einem seidenen Faden.

Auch in seinem Spätwerk ‚Der Generalstaatsanwalt‘ befasst sich Geeraerts mit Machtmissbrauch, Vertuschung und Korruption im belgischen Staat. Es ist die satirisch gefärbte, mit Anspielungen auf die Marc Dutroux-Affäre gespickte Geschichte eines narzisstisch gestörten Machtmenschen: Des alternden, trotz seiner zwielichtigen Vergangenheit sich für unantastbar haltenden Generalstaatsanwalts zu Antwerpen namens Albert Savelkoul, der mit seiner bigotten adeligen Gattin Amandine seit Jahren nur noch schriftlich verkehrt und sich mit Louise eine junge und teure, leider aber untreue Geliebte hält. Sein Verhängnis naht, als Amandine sich an die skrupellose, macht- und geldgierige katholische Organisation „Opus Die“ wendet, damit diese ihre beiden Söhne, jedoch keinesfalls den Ehemann, nobilitieren lässt. Dem einen Haufen Geld witternden Orden ist nun jedes Mittel recht, um Savelkoul in Misskredit zu bringen – immer enger windet sich die Schlinge windet um den Hals des fast schon Mitleid erweckenden Staatsanwalts.

Bibliografie:

Gangrän-Romane: ‚Black Venus‘ – ‚Im Zeichen des Hengstes‘ (1968), ‚De Goede Mordenaar‘ (1972), ‚Het Teken van de Hond‘ (1975), ‚Het Zevende Zegel‘ (1977).

‚Ik ben maar een neeger‘ (1962), ‚Schroot‘ (1963), ‚Zonder clan‘ (1965), ‚Het verhaaö van Matsombo‘ – ‚Scharlatan auf heisser Erde – die Geschichten des Grégoire-Désiré Matsombo‘ (1966), ‚Dood in Bourgondie‘ (1976), ‚Kodiak‘ .58′ (1979), ‚De Coltmoorden‘ – ‚Die Coltmorde‘ (1980), ‚Jagen‘ (1981), ‚Diamant‘ (1982), ‚Drugs‘ (1983), ‚De trap‘ (1984), ‚De zaak Alzheimer‘ (1985), ‚Het Sigmaplan‘ (1986), ‚Romeinse Suite‘ (1987), ‚Zand‘ (1988), ‚Sanpaku‘ – ‚Sanpaku‘ (1989), ‚Double-face‘ – ‚Double Face‘ (1990), ‚Z 17‘ (1991), ‚Het Rashomon-complex‘ (1992), ‚De Cu Chi chase‘ (1993), ‚De nachtvogels‘ (1994), ‚Goud‘ (1995), ‚De PG‘ – ‚Der Generalstaatsanwalt‘ (1998), ‚De Ambassadeur‘ (2000), ‚Dossier K.‘ – ‚Codex K.‘ (2002), ‚Geld‘ (2004), ‚Cro-Magnon‘ (2006).