(Pseudonym für George Caryl Sims, 1902-1966; schrieb auch als Peter Ruric)

George Caryl Sims kam als Sohn des Ex-Polizisten und Ladenbesitzers William Sims und seiner Frau Eva, geborene Freberg, einer Tochter schwedischer Einwanderer, in Des Moines, Iowa, zur Welt und wuchs nach der Trennung der Eltern mit der Mutter in einem gefährlichen Viertel Chicagos auf. Als junger Mann bereiste er die Welt und arbeitete nebenbei als Matrose, Kunstmaler und Berufsspieler. Seine Laufbahn als Autor begann er vermutlich Anfang der 20er-Jahre in den Stummfilmstudios von Hollywood, wo er offenbar auch mit Josef von Sternberg zusammenarbeitete. Ende der 20er-Jahre liess er sich in New York City nieder und lernte dort die (wie er selbst) heftig dem Alkohol zusprechende Schauspielerin Gertrude Michael kennen. Sie wurden ein Paar, doch die Beziehung hielt nur wenige Jahre. 1939 heiratete er das 20-jährige „Zigaretten-Girl“ Virginia Maxine Glau, das sich fortan Mechel Ruric nannte, ihren Mann jedoch nach vier Jahren verliess. 1945 vermählte er sich mit der Drehbuchautorin Virginia Radcliffe, die Trennung erfolgte rund vier Jahre später. Auch seiner 1955 geschlossenen Ehe mit der dreissig Jahre jüngeren Peggy Gregson, die in den folgenden Jahren zwei Söhne, Peter und Michael, zur Welt brachte, war nur kurzes Glück beschieden.

1932 debütierte Sims im Krimigenre. Unter dem Nom de plume Paul Cain verfasste er bis 1936 siebzehn Stories, die im Pulp-Magazin ‚Black Mask‘ veröffentlicht wurden. Parallel dazu, unter dem Pseudonym Peter Ruric, schrieb er eine Reihe von Hollywood-Drehbüchern, darunter ‚Gambling Ship‘ und ‚The Black Cat‘. Gesundheitlich angeschlagen, lebte Sims in den 50er-Jahren vorwiegend in Frankreich. Nach seiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten schrieb er Kochkolumnen für ein New Yorker Blatt und einige Skripts für das Fernsehen. Seine letzten Jahre verbrachte er in einer kleinen Wohnung in Los Angeles. Er starb 64-jährig in dem nahe gelegenen Toluca Lake Convalescent Hospital.

Im Zentrum von Cains schmalem belletristischem Werk stehen die Kurzgeschichten, von denen sieben im Sammelband ‚Totschlag‘ erschienen sind; ‚Taubenblut‘, ‚Eins, zwei, drei‘, ‚Black‘, ‚Rote 71‘, ‚Ausgetrickst‘, ‚Hinrichtung in Blau‘ und ‚Bombenstimmung‘ sind ihre Titel. In der Pulp Master-Anthologie ‚Antihero‘ ist überdies ‚Der Ausputzer‘ abgedruckt worden. Die harten, schmutzigen, mit schnellen szenischen Schnitten in einem schlackenlosen Stil erzählten Stories handeln von korrupten Bullen, schäbigen Privatdetektiven, durchtriebenen Weibern, brutalen Bodyguards und gewissenlosen Gangstern.

Für seinen einzigen Roman ‚Null auf Hundert‘ „kannibalisierte“ Cain seine fünf ersten Stories. Angesiedelt im Los Angeles der Depressionsjahre und der Prohibition, dreht er sich um den Spieler und ehemaligen Weltkrieg-Scharfschützen Gerry Kells, der seine Chance auf einen Haufen Geld wittert, als er von einer Ladung Kokain erfährt, die demnächst an Land geschafft werden soll. Doch dann macht sich Kells gleich drei Gangstersyndikate samt der auf ihrer Lohnliste stehenden Polizei zum Feind; und verliebt sich erst noch in die versoffene Schwedin Granquist, die ebenfalls mit der organisierten Kriminalität in Verbindung steht. (Granquist ist nach Cains damaliger Freundin Gertrude Michael gezeichnet.) Die ultrabrutale, jedoch ganz ohne reisserische Szenen auskommende Geschichte nimmt ein tieftrauriges Ende.

In den Vereinigten Staaten hat Cain im Jahr 2013 eine Wiederauferstehung erlebt: Seine Kurzgeschichten sind in einem schön aufgemachten Band (‚Paul Cain: The Complete Stories‘, Mysterious Press) herausgekommen, ergänzt durch umfassende Angaben zu Leben und Werk des bei uns längst in Vergessenheit geratenen Autors.

Bibliografie:

‚Fast One‘ – ‚Null auf Hundert‘ (1936).